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AUSSTELLUNGSPROJEKT


"DER TOD IST EIN MEISTER AUS DEUTSCHLAND, SEIN AUGE IST BLAU"
PAUL CELAN

GEDENKSTÄTTE KONZENTRATIONSLAGER LANGENSTEIN-ZWIEBERGE



Imeinen Arbeiten untersuche und vergleiche ich Zeichen abstrakter Kommunikationssysteme. Diese reichen von der vorgeschichtlichen Felsmalerei bis hin zur heutigen elektronischen Datenverarbeitung. Sie stammen unter anderem aus der Geschichte, der Völkerkunde, der Schriftforschung, den Religionen oder den Naturwissenschaften. Dabei steht die grafische Qualität der Zeichen im Vordergrund und nicht deren philosophische Inhalte oder naturwissenschaftliche Bedeutung.

Eines der Ziele der Nationalsozialisten war die Schaffung einer homogenen Volksgemeinschaft ohne eigenen Willen, Befehlen bedingungslos folgend. Andersdenkende, Andersgläubige, Individualisten wurden ausgesondert und verschwanden in Lagern. Ihre Namen wurden ausgelöscht und sie wurden nur noch als Nummern behandelt. Nicht erst in den Konzentrationslagern, sondern schon in den Gestapogefängnissen begann die Trennung der Häftlinge und die Einteilung in verschiedene Gruppen, wie die "Sonderaktion Polnische Heimatarmee" oder die "Sonderaktion Action Catholique". Markiert wurden die einzelnen Gruppen dann in den Lagern durch ein Zeichensystem von verschiedenfarbigen Winkeln, "Kennzeichen für Schutzhäftlinge in den Konzentrationslagern". Dieses Winkelsystem ist somit ein Instrument der Vereinheitlichung, Entindividualisierung, der Ausgrenzung und der Kontrolle.

19 von mir ausgewählte Winkelmarkierungen bilden die Grundlage des Projektes. Sie werden interpretiert, bearbeitet und auf ein einheitliches Papierformat von 47 x 47 cm übertragen. Am Ausstellungsort werden sie dann in Gruppen gehängt. Der Papiergrund trägt eine graublaue Streifenlasur in Anlehnung an die Häftlingskleidung. Darauf stehen die Zeichen in ihren Originalfarben.


Mit meinem Ausstellungsprojekt für die Gedenkstätte Konzentrationslager Langenstein-Zwieberge möchte ich an die vielen unterschiedlichen Menschen aus Deutschland und Europa erinnern, die hier die schlimmste und menschenunwürdigste Zeit ihres Lebens verbracht haben. Sie wurden durch die Willkür der faschistischen Gewaltherrschaft ihrer Individualität und Persönlichkeit beraubt. Doch Dank der Forschungsarbeit der Gedenkstätten kann vielen der "Nummern" unter den farbigen Winkeln ein Gesicht, ein Name und eine Lebensgeschichte gegeben werden. Die Schicksale dieser Einzelnen und damit die neuere deutsche und europäische Geschichte lassen sich hier wie an vielen anderen Orten in Deutschland und Europa aufspüren. An diesen Orten können wir Geschichte erfahren und verstehen. Wir dürfen unsere Augen nicht vor der Vergangenheit verschließen, wenn wir unsere gemeinsame Zukunft gestalten wollen.


Johannes Senf                                                                                                                                                                                                Köln 2003
KENNZEICHEN FÜR KZ-HÄFTLINGE
KENNZEICHEN FÜR SCHUTZHÄFTLINGE IN DEN KONZENTRATIONSLAGERN
1999; Kremerpigmente, Acrylat, Cansonbütten; 19teilig, je 47 x 47 cm

AUSSTELLUNG KZ LANGENSTEIN
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