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AUSSTELLUNGSPROJEKT


RAUM: REAL ABSTRAKT IMAGINÄR

KUNSTRAUM KARTÄUSERHOF, KÖLN



In meinen Arbeiten untersuche und vergleiche ich Zeichen abstrakter Kommunikationsmittel. Sie umfassen Zeichensysteme von der vorgeschichtlichen Felsenmalerei bis hin zur heutigen elektronischen Datenverarbeitung. Sie stammen unter anderem aus der Geschichte, der Völkerkunde, der Schriftforschung, den Religionen oder den Naturwissenschaften. Dabei steht die grafische Qualität der Zeichen im Vordergrund und nicht deren philosophische Inhalte oder naturwissenschaftliche Bedeutungen.

In diesem Jahr ist das Thema der Ausstellungen im Kunstraum Kartäuserhof der Raum. Mit unserem Körper und seinen Sinnesorganen nehmen wir den uns umgebenden Raum in seinen verschiedenen Formen war. Mit den Augen sehen wir ein Davor und Dahinter von Volumen, mit den Ohren orten wir die Richtung von Schall, mit den Beinen durchmessen wir Distanzen. Von diesem realen Raum wird ein schematisches und vereinfachtes Abbild durch technische Hilfsmittel hergestellt. Das Abbild stellt den Raum abstrakt dar. Er wird auf eine Fläche projiziert. Die Projektion zeigt Linien, die Flächen umschließen. Die abgegrenzten Flächen stellen zum Beispiel Staaten, Wirtschaftsräume oder Bündnisse dar. Sie repräsentieren somit imaginäre Räume.

Aus der Vielzahl von Zeichen zur Kartographierung der Wirklichkeit sind eine bestimmte Gruppe von Zeichen für das Ausstellungsprojekt für mich von Interesse. Es sind die Zeichen für Vermessungspunkte und Grenzeinrichtungen. 66 Zeichen davon habe ich für mein Projekt ausgewählt. Sie werden von mir interpretiert, umgeformt, auf ein einheitliches Papierformat von 29 x 29 cm übertragen und vor Ort in zwei Gruppen gehängt.

Auf einer Anhöhe sich umsehend, spüren wir frei den wirklichen Raum, doch Grundbesitz zwingt uns in bestimmte Richtungen und setzt uns Grenzen bei der Fortbewegung. Dieses Eigentum wird an markanten Punkten im Gelände festgemacht. Da viele dieser Punkte verrückbar sind, werden sie mit Hilfe von Zeichensystemen abstrahiert und auf Plänen fixiert. Es wird so der Wirklichkeit ein abstraktes Bild von Zeichen und Linien übergestülpt. Auch wenn die realen Fixpunkte längst verschwunden sind, bleiben die abstrakten Pläne mit ihren Linien bestehen. Sie zeigen die imaginären Räume von Völkern, Rassen, Ideologien, Wirtschaftsräume, Verwaltungseinheiten, Bündnissen usw. Diese sich abgrenzenden Räume werden festgesetzt durch Abkommen und Vereinbarungen zwischen Regierungen und Administrationen. Sie bestehen nur in unseren Köpfen und nehmen dabei keine Rücksicht auf die realen Gegebenheiten der Wirklichkeit.

Johannes Senf                                                                                                                                                                                                Köln 2000
KARTOGRAPHIE VERMESSUNGSZEICHEN
TOPOGRAPHISCHE KARTE VERMESSUNGSZEICHEN
2000; Kremepigmente, Acrylat, Cansonbütten; 22teilig, je 29 x 29 cm

KARTOGRAPHIE GRENZZEICHEN
TOPOGRAPHISCHE KARTE GRENZZEICHEN
2000; Kremepigmente, Acrylat, Archesbütten; 42teilig, je 29 x 29 cm


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